Goldschmiede Theile in Fellbach - seit 1948

Im Dezember 1948 - wenige Monate nach der Währungsreform gründete der Gold- und Silberschmiedemeister Werner Theile eine "Kunsthandwerkliche Gold- und Silberschmiede" in der Bahnhofstraße 155.ausstellung.jpg (19394 Byte)

Es war in der Zeit des Wiederaufbaus mit neuer Währung für diesen Handwerkszweig nicht leicht, Fuß zu fassen.
Es war ein schwerer Anfang, er konnte zuerst nur für alteingesessene Juweliergeschäfte in Fellbach und in Stuttgart Reparaturen machen. Aber er wagte sich dann auf ganz andere Ebenen. So hat er damals für Stuttgarter Architekten Raumteiler, Messinggitter und Endloskleiderhaken geschmiedet.

Doch bald fanden sich interessierte Kunden ein, die sich ein für sie persönlich gearbeitetes Schmuckstück, oder schönes handgeschmiedetes Silberbesteck oder Tafelsilber wünschten. Durch Veröffentlichung von Arbeiten in dem Buch "Neue Goldschmiedekunst", herausgegeben vom Verein zur Förderung Deutscher Kultur - oder im Fachorgan "Die Goldschmiedezeitung", oder auch durch Teilnahme an nationalen und internationalen Ausstellungen, wurde die kleine Werkstatt bekannt.

Schon 1957 konnte man in neue, größere Räume in die Bahnhofstraße 80 umziehen.
Hier in der großen hellen Werkstatt konnten nun neben Goldschmiedearbeiten noch mehr Aufträge im Silberschmieden angenommen werden.
Für viele Kirchengemeinden - beider Konfessionen - wurden sakrale Geräte ganz in Handarbeit geschmiedet und gehämmert. Es entstand z.B. die große Taufschale mit Taufkanne für die Lutherkirche in Fellbach und auch das Hausabendmahlsgerät sowie der große Adventsaltarleuchter für die Pauluskirchengemeinde.
Nicht zuletzt sei gesagt, dass auch der Fellbacher Herbst jedes Jahr in einem handgearbeiteten Silberbecher aus der Werkstatt von Werner Theile angetrunken wird.

1967 wurde nach Entwurf und Gestaltung von Werner Theile eine Medaille der Stadt Fellbach in Gold auf den Markt gebracht. Die Vorderseite zeigt eine Stadtansicht nach einem Stich aus dem Jahre 1630 und auf die Rückseite ist das erste Siegel aus dem Jahre 1286 graviert.

Viele silberne Maikäfer sind schon aus der Goldschmiedewerkstatt - auch in alle Partnerstädte - ausgeflogen. Auf dem Brunnen beim neuen Rathaus hatten sich große, aus Kupfer gearbeitete, Maikäfer niedergelassen. Doch leider waren sie nicht lange dort; böse Langfinger hatten sie immer wieder mit Gewalt entfernt.

1974 konnte zusätzlich zum Werkstattbetrieb ein Ladengeschäft in der Bahnhofstraße 69 eröffnet werden und neben handgearbeitetem Schmuck und Geräten auch guter, auserlesener Fabrikationsschmuck sowie Uhren namhafter Firmen und Geschenkartikel aus bleifreiem Zinn in das Angebot aufgenommen werden.

Eine sehr wichtige Aufgabe sah Werner Theile darin, in seinem Betrieb Lehrlinge in diesem schönen Kunsthandwerk auszubilden.
23 Goldschmiedegesellen haben hier die Lehrjahre verbracht, und alle haben sie die Ausbildung mit Auszeichnung und Preisen abgeschlossen.

Meisterstk.jpg (11398 Byte)Der "beste Lehrling" war, wie die Goldschmiedezeitung einmal berichtete, der Sohn Erich Theile. Seine Ausbildung hat er beim Leistungswettbewerb der Handwerksjugend mit dem Kammersieger, dem 1. Landessieger und dem 3. Bundessieger abgeschlossen. Er, wie auch einige andere besonders begabte Lehrlinge, konnten hier auch noch das "Granulieren", eine alte etruskische Technik, erlernen, die heute nur noch von ganz wenigen Meistern angewendet werden kann.
laden2.jpg (16561 Byte)So war Erich Theile sehr gut vorbereitet, 1984 das Geschäft zu übernehmen und noch weiter auszubauen.>Laden.jpg (12204 Byte)
Das Ladengeschäft wurde vergrößert und auch die Werkstatt in die Bahnhofstraße 69 gelegt. In neun großen Schaufenstern kann man heute neben handgearbeiteten Kreationen in Gold auch guten, hervorragend gearbeiteten Brillant- und Perlschmuck von führenden Firmen sowie auch Uhren von weltweit bekannten Herstellern betrachten und sich zum Kauf motivieren lassen. Natürlich wird auch heute noch, und so wird es auch bleiben, großer Wert auf Handarbeit gelegt.